Mit einigen Geschichten aus dem Klinikum EvB berichten wir über den Klinikalltag während der COVID-19-Zeit. Die jeweils aktuellste Reportage finden Sie dabei ganz oben. Wenn Sie auf der Seite weiter runterscrollen, kommen Sie im Laufe der Zeit zu Geschichten der vergangenen Wochen.

Heute: Melanie S.

„Ich fühle mich in der Frauenklinik sicher“


Melanie S. (32) aus Potsdam ist mit eineiigen Zwillingen schwanger und liegt für einige Wochen zur Beobachtung in der Frauenklinik des Klinikums Ernst von Bergmann. Wir haben die Mutter von zwei Mädchen getroffen und werden sie auf dem Weg zur Geburt begleiten. Zum Start eine Reportage aus dem Alltag auf der Station.

Der erste Tag war wie ein Schock. Termin beim Frauenarzt. Der stellt fest, dass möglicherweise etwas nicht stimmt und empfiehlt dringend die Einweisung in die Klinik. Nachmittags geht Melanie S. schon in die Frauenklinik des Klinikum Ernst von Bergmann. „Das war eine Verabschiedung von jetzt auf gleich. Die Kinder haben geweint,“ sagt die hochschwangere Mutter. „Ich konnte ihnen nur sagen, dass Mama jetzt vier Wochen weg ist. Ich musste das auch erst mal verdauen, dass ich nun für eine lange Zeit alleine hier sein muss.“ Eines beruhigt: Ihr Partner hält ihr zu Hause den Rücken frei und kümmert sich nicht nur um den Haushalt, sondern vor allem um ihre beiden Töchter.

Hier – das ist jetzt Zimmer 54 auf der Station F3 in der Frauenklinik. Das sind 20 Quadratmeter mit karamellfarbenem Boden und weißen Wänden. Große Fenster mit Blick auf einen Innenhof mit Bäumen. Neben dem Bett steht der Wagen mit Wehenschreiber. Das macht einen nüchternen Eindruck, aber die junge Potsdamerin hat es sich gemütlich gemacht, so gut es geht. Bilder ihrer beiden Mädchen, 8 und 10 Jahre alt hängen neben dem Bett. Ein Strauß gelber Gerbera von der Mutter steht auf dem Fensterbrett. Ein Obstteller mit Orange, Apfel und Gurke steht auf dem Beistelltisch. Regelmäßig gibt ihr Partner gesunde Leckereien im Klinikum ab, um Melanie S. den Tag etwas zu versüßen.

Die Hochschwangere mit den wachen braunen Augen stützt sich auf ein großes blaues Kuschelkissen mit Tiermotiven und erzählt: „Ich habe meine ersten beiden Mädchen schon hier bekommen. Für mich war klar, dass ich wieder hierin komme. Ich bin ein Sicherheitsmensch. Hier nebenan ist die Kinderintensivstation. Das Klinikum ist auf Mehrfachgeburten spezialisiert. Deshalb fühle ich mich hier auch sicher.“

Melanie S. wird medizinisch engmaschig betreut. Der Tag beginnt früh um 6:30 Uhr mit Blutdruckkontrolle und einem ersten CTG. Das wird drei Mal am Tag gemacht. Die letzte Untersuchung ist um 18:30 Uhr. Bisheriger Befund von der betreuenden Ärztin Dr. Sabrina Marquardt: „Alles sieht bisher sehr gut aus.“ Melanie S. bestätigt das: „Ich komme leicht aus der Puste. Aber sonst geht es mir gut.“

Die langen Tage bringen die agile Potsdamerin jedoch zum Nachdenken. Was ihr fehlt, ist die Familie, die nicht zu ihr kann. „Die Situation bringt Einen auf das Wichtigste und das ist meine Familie.“ Die holt sich die Hochschwangere mit Hilfsmitteln ins Krankenhaus. Morgens und abends wird gemeinsam mit der Familie gegessen. Vormittags steht „Homeschooling“ der beiden Töchter auf der Tagesordnung – alles via Videoanruf mit dem Handy. Um abends abzuschalten würde Melanie S. gerne fernsehen: Nachrichten oder auch die Lieblingssendung. Dass das Geld kostet, findet Melanie S. nicht gut. Sie sagt: „Nicht jeder kann sich das leisten.“

Was Melanie S. besonders traurig macht, ist dass der werdende Papa aufgrund der Infektionsgefahr nicht bei der Geburt dabei sein kann. Wenn dann die Stimmung einmal in den Keller geht, hilft auch die Betreuung des Personals auf Station F. „Ich habe hier ein, zwei Schwestern und auch eine Ärztin, denen ich mein Herz ausschütten kann. Man versucht, mir das Leben hier so weit wie möglich zu erleichtern“ sagt Melanie S. und hofft auf eine möglichst normale Schwangerschaft nach ihrem Aufenthalt im Klinikum. Wir werden darüber berichten.